Und jetzt, während wir warten dass es Nacht wird, kann ich euch ja noch ein paar Geschichte erzählen.
So. damit hätten wir ein weiteres Stündchen totgeschlagen...
Esther änd Dominik ar going tu Niusiländ. Änd hir is sö pleis tu ried all sö sings dät dei häf egspiriensd. Fönni storis, brefteiking ädwentschörs änd matsch mor. Iur komments ar wellkom of kors!
In der Zwischenzeit kehre ich mal zum Tagesgeschäft zurück. Wir müssen uns nämlich um unsere Führerausweise kümmern. Oder heisst das Fahrschein. Verdammt, jetzt wohl all die Verwandten aus Deutschland mitlesen lauern ja überall Fettnäpfchen! Wie auch immer, Driver's Licence. Wer länger als ein Jahr in NZ ist, der braucht einen Neuseeländischen Ausweis. Also umschreiben lassen. Die wollen aber den Schweizer Schein übersetzt haben. Von einer zertifizierten Stelle. Da reicht auch ein internationaler Ausweis nicht. Ein Glück gibt's da eine veritable Industrie von zertifizierten Übersetzern. Die sind sogar billiger als der internationale Ausweis in der Schweiz! Nur leider, leider, reicht das noch nicht. Eine Theorieprüfung will auch bestanden sein. Und in meinem Fall, weil ich alter Ökohase so lange mit meiner Fahrprüfung gewartet habe, muss ich sogar einen praktischen Test bestehen! Bei dem Verkehr in Auckland! Das kann ja heiter werden. Ihr müsst wissen, dass die hier ganz spezielle Regeln haben. Linksverkehr geht ja noch. Aber gleichzeitig gilt ultrakrasser Rechtsvortritt: Wenn ich auf der linken Spur so daherrolle und links abbiegen will, gleichzeitig aber ein Fahrzeug auf der entgegenkommenden Fahrbahn auch links (also für das Fahrzeug rechts) abbiegen will, dann muss ich das durchlassen. Schliesslich kommt es für mich ja von rechts. Das ist sehr seltsam und kann zu Schachmattsituationen führen, bei denen keiner mehr fährt und den anderen nur ungläubig anglotzt. Dafür gehört das Linksüberholen auf der Autobahn hier zum guten Ton. Wenigstens inoffiziell. Ich glaube nicht dass ich das bei meinem Test praktizieren werde...
Letzte Woche sind wir nach Raglan gebrettert. Das ist ein verschlafenes Surfernest an der Westküste. Eine Haupstrasse, drei, vier Restaurants, und das war's auch schon. Aber deswegen kommt man ja auch nicht nach Raglan. Sondern wegen den Wellen. Hier schwappt die Tasmanische See an Auckland heran und genau vor Raglan brechen die Wellen in perfektester Art und Weise. Am Strand unten, oh, ich greife vor, der Strand selbst ist schon der Hammer. Meilenlang und leer und windig. Hinter jedem Müschelchen feilt der Wind ein Muster in den Sand, ein paar angeschwemmte Baumstrünke skeletten in der Gegend herum und alles geht unter im tosenden Geräusch der Brecher.
Herrlich! Man zieht einfach die Schuhe aus. Macht Spuren im Sand, läuft mal nahe an der Brandung, wo der Sandboden hart ist, dann mal weiter landeinwärts, wo der Sand immer weicher wird bis man schliesslich bei den Dünen ist, die man hier und da erklimmen kann und noch ein wenig mehr Strand sieht also vom Strand aus. Wenn man dann heimkehrt (so man den richtigen Weg wählt, aber das ist eine andere Geschichte), dann möchte man auch mal Surfen gehen!
Übernachtet haben wir in Solscape. Das ist eine Ansammlung von alten Eisenbahnwägen, die die Eigentümer zu kleinen Häuschen umfunktioniert haben. In denen schläft es sich ausserordentlich gut. Yup. Und mehr haben wir gar nicht gemacht. Und das ist auch gut so.
...dazu muss ich sagen dass das Foto um 6 Uhr in der Früh gemacht wurde. Darum.
Die Ranges sind immer wieder einen Ausflug wert. Dieses Mal hat es uns ans Nordende verschlagen. Ganz schön anspruchsvoll war's, aber schliesslich wollten wir Dominique auch was bieten. Wie zum Beispiel das Überqueren reissender Bäche gestopft voll mit blutigierigen Piranhas und wilden Grizzlybären, die nur darauf warteten, ein paar knusprige Touristen zu verspeisen. Ist aber nichts passiert. Keiner hat einen Schlappen gezogen. Es war eine wunderbare Wanderung. Natürlich waren wieder die Tuis dabei und haben uns, ähm, musikalisch, ähm, unterhalten. Aber noch besser waren die Parakeets. Red-crowned parakeets oder auch Kakariki, wie der Maori sagt. Waschechte Papageien in allen Farben! Da kommt Urwaldstimmung auf!
Aber auch die Pilzwelt präsentierte sich heute von ihrer herzigsten Seite. Das da ist ein Rudel Wax Gill Pilze, das sich da gemütlich auf einem toten Holzstamm tummelt. Das Foto haben wir übrigens gleich neben der Eisenbahn aufgenommen: hier hat es, mitten im Urwald, eine alte Bahnlinie.
Die brauchten sie damals, um den Staudamm zu unterhalten, der sich ebenfalls dort befindet. Heute ist das Trassee ein schöner Wanderweg und ab und zu fährt das Bähnchen noch Touristen durch die Gegend. So altes Eisen mitten in der Wildnis ist für mich immer ein spezieller Anblick.
Früher war das alles ja ein grosser Kauriwald, voll mit mächtigen Urwaldriesen. Und heute? Ein paar leben noch, und im Unterholz ist die nächste Generation daran, hochzukommen. Hier seht ihr Esther, wie sie die Kamera beäugt und hinten dran schon wieder ein Rudel, aber diesmal ein Rudel Ricker, so nennt man die jungen Kauris. Die hier sind wohl so fünf oder zehn Jahre alt, haben also noch 2000 Jahre vor sich.
Oder zumindest einer von ihnen, hoffentlich. Wir haben ihnen dann noch gezeigt, wie man richtig wachsen tut.
Ihr wartet ja alle schon gespannt darauf, wer ist es nun, der oder die glückliche Gewinner oder Gewinnerin? Wer weiss es? Wer? Trommelwirbel... Tusch! Es gibt zwei GewinnerInnen! Tobias und Sista J!
November in der Schweiz ist ja für viele nicht gerade eine Superzeit. Nebel-Nass-Kalt, das kann aufs Gemüt schlagen. Nun, für mich war es immer ein wenig anders, mir gefällt der Monat, schon alleine sein Name, November, finde ich sehr schön und ich würde den Monat nie umbennen! Aber das liegt wohl daran, dass ich im November Geburtstag habe...
Und noch was: Hier ist der November eben doch auch noch umbenannt worden. Immerhin von einigen: Movember. Mo, das ist der Oberlippenbart, the moustache, wie der Engländer sagt, oder eben Mo. Und im Movember, das lässt sich Mann einen Schnäuzer wachsen. Wie Tom Selleck anno dazumals. Und warum? Um darauf aufmerksam zu machen, dass es mit der männlichen Gesundheit nicht gut steht. Männer sind im Schnitt ungesünder als Frauen und leben ein halbes Jahr kürzer. Insbesondere Prostatakrebs ist ein grosses Problem und man will die Männer motivieren, sich genug früh checken zu lassen. Nachdem im Oktober also der Skytower pink angestrahlt wurde um auf Brustkrebs aufmerksam zu machen, ist es nun der männliche Teil der Bevölkerung, der sich mit einem Schnurrbart bewaffnet um daran zu erinnern, sich genug früh für einen Prostatcheck beim Arzt zu melden.
Am Sonntag waren wir wieder mal in Takapuna, auf dem Markt. Zusammen mit Dominique haben wir uns bei der fliegenden Espressohändlerin Kaffee gschnappt, sind gemütlich den Ständen entlanggeschlendert und haben Früchte, Gemüse und Blumen gekauft. Das schöne ist dann, dass man in fünf Minuten am Meer ist und dort in der Morgensonne weiterschlendern kann, am Strand entlang. Dann kann man alle Häuser begutachten und sich überlegen, in welchem man selber am liebsten wohnen würde, man kann den Hundebesitzern beim Ballwerfen zuschauen und auch einfach so versonnen in die Sonne blinzeln.
In den Felsspalten, wo noch ein wenig Meerwasser von der letzten Flut übrig ist, da findet man dann allerlei Getier. Wie diesen Seestern mit zehn Armen. Aber ich habe keine Ahnung, was für eine Art das ist. Habt ihr ja nochmals Glück gehabt.
Heute hau' ich Euch wieder mal was Wissenswertes um die Ohren: Manuka.
Wir haben auf dem Farmers Market in Takapuna ein Gläschen von dem Honig erstanden, haben ein Messer davon auf eine Scheibe Zopf gestrichen und ja, er schmeckt ganz ausserordentlich gut, dieser Honig. Wer seine Nase tief in die Manukablüten steckt, der kann den Manukaduft riechen, wunderbar!
Unsere erste Besucherin ist da! Letzten Dienstagmorgen war es endlich soweit. Wir viel zu früh am Flughafen, lunger-lunger-herumhäng, und dann endlich schritt Dominique durch die Glastüre, hat Passkontrolle und vorallem Wanderschuhtest (mit Seife waschen!) überstanden und stand, ein wenig müde, aber sonst fit, vor uns. Wir haben dann gleich mal Gas gegeben, haben nach Devonport übergesetzt und auf dem Mount Victoria gepicknickt und später lecker Spargeln (hier hat die Saison angefangen!) vertilgt. Und um sieben Uhr abends hat sie dann schlapp gemacht und ist eingeschlafen. Nicht übel. Wir haben uns im Veronas noch ein Pimms mit Tim reingezogen, der ist dann nämlich ab in die Staaten für die nächsten 30 Tage.
Gestern sind wir zusammen nach Rangitoto. Waren wir ja auch schon lange nicht mehr. Für alle die es vergessen haben: das ist die Vulkaninsel vor Auckland. Mit der Fähre ist man in einem halben Stündchen drüben und mitten in der Wildnis. Wir sind durch die A'a-Lavafelder gestapft und ich habe die beiden Damen mit botanischen Kommentaren genervt. So bin ich nun mal. Wir hatten Glück und Dominique erhielt gleich das volle Programm: vor der Küsten sprangen die Delphine durch die Luft und im Wasser schlabberte eine Qualle vor sich hin.
Um ehrlich zu sein, wir waren selber verblüfft, wo plötzlich all dieses Gewürm hergekommen ist.
Auf dem Bild links seht ihr einen hochzufriedenen Pete, der gerade seinen Privatpool vergrössert. Alle anderen haben auch eifrig Sand geschaufelt und heisse und kalte Bächlein gemischt für die optimale Badetemperatur. Aber irgendwann ist das dann auch vorbei, weil die Flut zurückkommt und alle Pools wieder in Beschlag nimmt. Damit war es Zeit für Teil zwei des Aufluges: BBQ! Also ab nach Whitianga in ein Backpackers wo wir lecker Grilladen auftischten und Neuseeländische Weine und Biere verkosteten. Ich lag noch kurz flach, hätte eben zwischen dem Frühstück und dem BBQ am Abend doch noch was essen und trinken sollen. Das chocolate brownie und der Kaffee haben da auch nichts geholfen. Und wenn man das dann mit drei Stunden Pool ausgraben in praller Sonne kombiniert,
dann gibts es eben eine kleinere Dehydrierung. Ein Glück war Mat mit einer grossen Flasche Powerade zur Stelle. Die habe ich dann unter seiner Aufsicht getrunken und bald gings auch wieder. Typisch ich, passiert mir jedesmal so was. Alles organisieren und dann vor lauter Aufregung die Lebensgrundlagen vernachlässigen. Später des Abends wollte es der Zufall, dass genau vor uns am Strand noch ein grosses Feuer entfacht wurde, das ganze Dorf war auf den Beinen und Feuerwerk gabs auch noch. Herz was willst du mehr? Wir standen alle da und blickten versonnen in die Flammen und ich biss mir auf die Lippen dass ich Esther nicht mitgeschleppt habe (aber dafür gab es einen guten
Grund, den erfährt ihr im nächsten Blog...). Am Tag darauf wurde dann erstmal tüchtig gefrühstückt mit allem was dazu gehört. Der Neuseeländer an sich ist ein Frühstücker mit Herz und Seele. Da kommt nichts zu kurz. Auch nicht der Cholesterinspiegel. Der Favorit: Eggs Benedict.
Das sind zwei pochierte Eier auf einem Spinatbett auf Toast und dazu Lachs oder Speck. Und darüber wird Sauce Hollandaise gegossen. Lecker! Aber auch der Klassiker mit Speck, Wurst, Ei, Tomaten, Kartoffeln und Pilzen ist immer wieder gern gesehen. Hier seht ihr gerade wie Annabel und Pete mit sichtlichem Genuss und auch der gebührenden Ernsthaftigkeit ihr Frühstück verdrücken. Der Kaffee hier ist übrigens saugut, dem muss ich auch noch mal einen Eintrag widmen. Und mit vollem Bauch gings dann zur Cathedral Cove wo wir uns nochmal sonnten und kurz ins Wasser sprangen.
Aber die Temperaturen sind noch nicht soweit, dass man so richtig plantschen kann. Macht aber nichts, der Sommer hat eindeutig angefangen!